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Vollpfosten heißt jetzt Reichsbürger

Mich beschäftigt dieses Thema schon länger als es in den Medien ein Echo findet.

Zieht ein sog. Reichsbürger doch sein Potential daraus, daß er sich hinstellt und eine Behauptung aufstellt, die weder innerhalb von Minuten überprüft noch widerlegt werden kann. Zumal es auch noch indirekt unehrenhaft eine etwaige Blauäugigkeit des Staatsbediensteten unterstellt.

Im Rahmen meiner Berufstätigkeit bin ich so einem Schwachmaten mal begegnet. Der sich darauf freute, mich vor einem Militärgericht wiederzutreffen. Denn er stehe im regen Kontakt mit russischen Behörden und auch Putin würde seine Rechtsauffassung teilen. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis der „ganze Schwindel auffliegen“ würde (70 Jahre hat’s ja keiner gemerkt, Respekt).

Ganz besonder wichtig war ihm, daß er kein Nazi sei. Das eine hätte mit dem anderen nix zu tun.

Nee. Nur die Grenzen des Großdeutschen Reiches vor ’45 anerkennen, aber im Herzen ein lupenreiner Demokrat. ‚Türlich.

Witziger Weise stand der Knabe im Hartz-IV-Bezug. Ausgezahlt in Euro. Also eine nach seiner Meinung nach ungültigen Währung. Witzig, oder? Konsequenz ist nicht so ganz deren Ding.

Außer beim Krawallmachen.

Bei der Suche im Netz stolperte ich auch über folgende Absätze:

„Reichsbürger“ hinter Gittern sehen sich nicht als Häftlinge, sondern als „Kriegsgefangene“. Das deutsche Grundgesetz verbietet es freilich, die Kumpane hier beim Wort zu nehmen und die alliierte Ordnung der Jahre 1945/1946 auf sie anzuwenden.

Dabei wäre es ein originelles Bild, wenn kriminelle Anhänger dieses rechtsextremen Wahnsystems künftig nicht mehr von deutschen Polizisten, sondern amerikanischen GIs oder Rotarmisten in Gewahrsam genommen würden. Die narzisstische Großmäuligkeit würde ihnen in einem Gefangenenlager nach damaligen Standards sicher schnell wieder vergehen.

Genau mein Humor. Müßte man den Nazis bloß mit dem Holzhammer näherbringen.

(Zitat: Die Welt/ n24, von Claus Christian Malzahn, 25.10.2016)

 

Die sind nicht alle so. Wir schon.

Den Zeitgeist schwermütig sich selbst anzulasten … darin sind wir Deutschen ja Weltklasse.

Einmal mehr findet sich heute ein Artikel in der B.Z., der uns mehr oder minder direkt den genetisch bedingten Rassismus attestiert.

Gab es doch gestern im selben Medium eine herzzerreißende Story über Flüchtlinge, die auch Berlin-Steglitz als Hochburg des Hasses entlarvte.

Nein, keine geköpfte Ehefrau, kein niedergestochener Jugendlicher, kein Schußwaffengebrauch, keine vaginal-betastete 13jährige – viel schlimmer, halten Sie sich fest, sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt: eine nebulöse, nicht näher bezeichnete Beleidigung, ein Anti-Moschee-Aufkleber, Müll im Briefkasten und der nachträglich aufgekrakelte Schriftzug „Kanakensau“ auf’m Briefkasten. Bämm.

Das beschäftigte mich schon. Warum der Staatsschutz dort nicht ermittelt – oder zumindest diese Kahane-Maas-Kombo.

Nicht nur mir bereitete dieser rechtsradikale Terror an dieser Refugees-Romanze eine schlaflose Nacht, auch Reinhard Mohr ist fassungslos. Leider nicht sprachlos, denn er will’s gleich global wissen und sieht Hemmschwellen sinken.

Natürlich nur bei – Zitat – Inländern. Und sitzt vermutlich wippend in der Ecke und fragt sich „Warum nur? Warum nur?“.

Also daran, daß man – übrigens auch im selben Medium – tagtäglich lustige Geschichte von Hinzugereisten liest – Dauerbrenner sind ja Kotti und Görli -, nee, also daran kann es nicht liegen. An der Frequenz dieser Nachrichten. An dem vermeintlichen Glück, das alles nur als Nachrichten und nicht als Geschädigter wahrnehmen zu müssen.

Es kann also nur daran liegen, daß der böse Deutsche – nee, diese hirnverschwurbelte Logik lesen Sie im letzten Absatz mal schön alleine.

Unterm Strich: nicht das fragwürdige Weltbild eingereister Rückständiger ist zu hinterfragen, sondern der hiesige Dummbatz, der einfach nicht gefragt werden braucht, wie seine Welt aussehen soll, muß mal wieder sein Verhalten ändern.

Das hat natürlich nichts mit Vorurteilen zu tun. „Die“ sind nicht alle so. Wir schon.

 

(überarbeitet, 28.10.2016)