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Pommes-Dealer

Es war nach Feierabend, als ich mal wieder Appetit bekam. Auf ungesundes Fast-Food. Bei der Goldenen Möwe.

Kurz bevor ich der döselig-gleichgültigen studentischen Aushilfskraft mein Menü in die Kasse diktieren konnte, brach die Hölle los.

Schwarzgekleidete SEK-Beamte stürmten in die Filiale, ihre MP schußbereit in der Armbeuge. „POLIZEI! POLIZEI!“, brüllte der Anführer durch seine Sturmmaske, die anwesenden Kunden erstarrten. Geübt flog die erste Blendgranate in den Küchenbereich, die nach einem Knall und einem gleichzeitigen Blitz Nebel versprühte.

Nach schier unendlichen Stunden, die in Wahrheit nur Sekunden waren, hatten die Hüter von Gesetz und Ordnung den Mann an der Fritteuse niedergerungen, ihn mit Kabelbindern fixiert und mit einem lichtundurchlässigen Sacküberzug orientierungslos gemacht.

Die Menge starrte durch den sich lichtenden Nebel.

Der vermeintliche Anführer der Spezialeinheit griff mit seinem Quarzhandschuh in die Fritteuse und hielt ein dunkles, verdammt lecker aussehendes Pommes-Stäbchen in die Luft.

„Das …“ – der Sehschlitz der Sturmhaube lies den heroischen Blick des Beamten erkennen – “ … müssen Sie nicht mehr essen! Wir haben das hier beendet!“

Erst zaghaft, dann erlöst, brandete ein Applaussturm auf. Eine junge Frau mit Rasterfrisur und einem Baby vor der Brust, hatte Tränen in den Augen. Ein junger Moslem schickte ein Dankesgebet an Allah. Ein Bauarbeiter aus Berlin-Marzahn brachte es auf den Punkt, als er mit einem Kloß im Hals sagte: „Verdammte Scheiße! Ihr habt mir dit Lem‘ jerettet!“

Irritiert kam ich zu meiner Bestellung zurück. Und nahm anstatt der Pommes einen Salat. Der mochte zwar verkeimt sein, in diesen Lkw-großen Tüten, in denen er vorgeschnitten angekarrt wird, aber ich wollte die tolle Stimmung nicht zerstören.

Ob ich einen geraucht habe? Mitnichten. Vielleicht sollte ich. Damit käme ich endlich auf das Niveau unserer EU-Wächter.

Denn anders als mit leichtfertigem Drogenkonsum kann ich mir das hier nicht erklären: EU will knusprige Pommes verbieten .

Grundsätzlich ist das Ansinnen ja nicht verkehrt. Aber warum flutet man mit heuchlerischen Vorgaben die EU? Mit Vorgaben, die nicht wirklich jemand kontrollieren kann?

Davon abgesehen, daß hinter solchen Vorschlägen immer eine anonymisierte Gruppe steckt („Brüssel“, „Kommission“), haben sich damit irgendwelche Vollpfosten mal wieder ihre Daseinsberechtigung zementiert. Warum fügt man diesen Dummies keine Gesichter hinzu?

Die wollen mir tatsächlich vorschreiben, wie ich meine Pommes esse. Klar, daß die in der Ernährungspyramide nicht unten stehen, weiß man. Aber wenn ich auf knusprige Pommes stehe, getränkt in Mayo, dann möchte ich das selbst entscheiden, was ich meinen Cholesterinwerten und dem Rest meines Körpers antue.

So wie ich selbst entscheide, ob S-Bahn-Surfen geil ist, ich abends einen oder fünf Whiskeys saufe und ob ich mir mit meinem Smartphone meine Auge verderbe.

Gibt es nicht andere Dinge, die man regeln könnte?

Ein klitzekleines Beispiel: meine Tochter hat sich vor Jahren in einem Kiosk mit ihrem ersten eigenen Taschengeld ein kleines Fläschchen gekauft. Aufgedruckt waren irgendwelche Manga-Figuren, knuffig verniedlicht, um eben die richtigen Kinder als Käufer anzusprechen. Sie nuckelte das Zeug weg. Ich nahm mich der Flasche an und war ein kleinwenig schockiert. Nicht nur, daß die Inhaltsangaben eigentlich aufzeigten, daß sie reines Zuckerwasser weit über (sic!) dem üblichen Limo-Zucker-Gehalt geschlürft hatte, das Zeug kam aus China.

Wir alle wissen, wie genau China das mit Lebensmitteln nimmt. Wer bei Kaufland den Knoblauch aus China kauft, der darf auch S-Bahn surfen. Wäre hier nicht ein Einfuhrverbot sinnvoll?

Wo ist die Ernährungsampel, die es in diversen EU-Ländern (ach was?!) gibt? Die vermeintlich gesunde Snacks als Gesundheitskiller entlarven?

Nein, da konzentriert man sich lieber auf eine Farb-Tabelle, wie dunkel Pommes sein dürfen.

Übrigens: beim besagten goldenen M wird es da keine Probleme geben. Die verkaufen die Dinger sowieso lapprig bis ungenießbar.

Vielleicht mache ich mich selbständig und deale mit frischen, knusprigen Pommes. In die Illegalität getrieben, kann man sich damit vielleicht ‚was dazu verdienen.